Martin Scheera, Matthias Kreppela, Uta Drebberb, Lutz Rittera, Joachin E. Zöller,
Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie der Universität zu Köln und Institut für Pathologie der Universität zu Köln
Die Prognose von oralen Plattenepithelkarzinomen wird neben der Größe des Tumors vor allem durch den zervikalen Lymphknotenbefall bestimmt. Bislang wurde in einer Reihe von Studien die Bedeutung verschiedener molekularer Faktoren im Hinblick auf die lymphogene Metastasierung untersucht. In einigen Studien an verschiedenen soliden Tumoren konnte eine Assoziation von Podoplanin mit einer lymphogenen Metastasierung nachgewiesen werden. Podoplanin ist ein transmembranäres Glykoprotein das unter physiologischen Bedingungen unter anderem in Nierenpodozyten, in der Sklelettmuskulatur in der Lunge und in lymphatischen Endothelzellen exprimiert wird. In soliden Tumoren ist Podoplanin über die ERM-Proteine Ezrin, Radixin und Moesin mit der Beweglichkeit und Invasionsfähigkeit von Tumorzellkomplexen assoziiert.
In der aktuellen Untersuchung wurde Gewebe von 87 Patienten mit Plattenepithelkarzinome der Mundhöhle immunhistochemisch auf die Expression von Podoplanin hin untersucht. Die statistische Auswertung zeigte eine signifikante Assoziation mit der Tumorgröße und dem Lymphknotenbefall. Im Hinblick auf das Überleben konnte ein signifikanter Zusammenhang in der univariaten Analyse zwischen einer verstärkten Podoplaninexpression und einem verkürzten Gesamtüberleben nachgewiesen werden. Zudem war auch in der multivariaten Analyse der verstärkte Podoplaninnachweis im Tumorgewebe als unabhängiger prognostischer Faktor mit einem verkürzten Überleben assoziiert.
Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass die Zunahme der Podoplaninexpression mit der Invasion und Progression von oralen Plattenepithelkarzinomen verknüpft ist. Derzeit werden weitere Untersuchungen im Hinblick auf die prädiktive Bedeutung von Podoplanin bei Patienten unter kombinierter präoperativer Radiochemotherapie durchgeführt. Ebenso wird die Regulation der Podoplaninexpression und mögliche Einbindung in eine Targettherapie untersucht.
Publikation: Virchows Arch. 2010 May;456(5):473-82
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