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15.10.2008 Ärztliche Praxis Onkologie

Krebspatienten auf höchstem Niveau versorgen – das Beispiel CIO Köln-Bonn

Diagnostische und therapeutische Fortschritte bei malignen Tumoren haben Überlebenschancen und Lebensqualität krebskranker Menschen in Deutschland verbessert. Doch bei ihrer Versorgung bestehen nach wie vor erhebliche Qualitätsunterschiede.


Durch den Aufbau regionaler onkologischer Spitzenzentren mit interdisziplinärer Versorgung soll sich dies langfristig ändern. Das Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) der Universitätsklinik zu Köln hat sich in dieser Hinsicht inzwischen zu einem Musterbeispiel par excellence enwickelt.

Das 2005 gegründete CIO Köln gehört zu den vier Gewinnern eines von der Deutschen Krebshilfe erstmals ausgeschriebenen Förderprogramms, um das 18 einheimische Tumorzentren wetteiferten. Im vergangenen Jahr wurde es im Verbund mit Bonn – neben vergleichbaren Einrichtungen der Universitätskliniken Dresden, Freiburg und Tübingen – mit dem begehrten Titel „Onkologisches Spitzenzentrum“ ausgezeichnet und erhält als solches drei Jahre lang Fördermittel, um bereits bestehende interdisziplinäre Versorgungsstrukturen für Krebspatienten zu optimieren sowie krebsspezifische Forschungsprojekte voranzutreiben. Um die regionale Versorgung weiter zu verbessern, wurde ein partnerschaftliches Bündnis mit dem CIO Bonn eingangen. Zudem ist geplant, noch weitere Praxen und Kliniken in das Integrierte Versorgungs-Netzwerk einzubinden.

Als Vorbild für Aufbau und Organisation onkologischer Spitzenzentren gelten die amerikanischen Comprehensive Cancer Centers. Doch wodurch zeichnet sich das CIO Köln aus? Und was können Patienten erwarten, wenn sie sich hinter seine Pforten begeben? Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen erfolgen hier nach aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen und stets mit Blick auf die persönlichen Bedürfnisse der Patienten. Denn Krebserkrankung ist nicht gleich Krebserkrankung. Sie ist vielmehr ein komplexes, individuell verlaufendes und für die Betroffenen einschneidendes Ereignis, das von ihnen subjektiv erlebt und seelisch verarbeitet wird. In diesem Sinne setzt man hier auf ein ganzheitliches Versorgungskonzept, bei dem medizinische und psychoonkologische Maßnahmen Hand in Hand gehen.

Fachübergreifende Zusammenarbeit

Um eine zügige, qualitativ hochwertige und individuelle Versorgung von Tumorpatienten sichern zu können, arbeiten Experten fachübergreifend und eng zusammen. Das wird im Rahmen der vielfältigen installierten Versorgungsstrukturen konsequent umgesetzt.

Erste und zentrale Anlaufstelle für Patienten ist die Interdisziplinäre Tumorambulanz. Hier können sie sich von Spezialisten aller an Diagnose und Therapie von Tumorerkrankungen beteiligten Kliniken und Institute des Uniklinikums hinsichtlich ihrer Krebserkrankung beraten lassen. In Spezialsprechstunden zu spezifischen Tumorerkrankungen stellt sich der Patient erstmals einem Ärzteteam (zum Beispiel Chirurg, Strahlentherapeut, internistischer Onkologe) vor, das frühzeitig einen auf ihn persönlich zugeschnittenen, interdisziplinär abgestimmten Behandlungsplan erstellt und mit ihm sowie seinen Angehörigen bespricht. Von der Tumorambulanz aus wird außerdem der gesamte Therapieablauf, der Klinikexperten sowie externe Partner einschließt, koordiniert. Dies soll von Anfang an verlässliche Rahmenbedingungen für eine konsequente und zielgerichtete Diagnostik und Therapie ermöglichen.

Einmal pro Woche treffen sich Ärzte verschiedener Klinikabteilungen zu interdisziplinären Konferenzen, so genannten Tumorboards. Dort werden Krankengeschichten von ausgewählten Tumorpatienten, zugehörige Ergebnisse der bildgebenden Diagnostik (etwa CT, Kernspin, PET) sowie histopathologische Befunde präsentiert und diskutiert. Gemeinsam wird eine Strategie für das weitere diagnostische und therapeutische Vorgehen erarbeitet, protokolliert und in der Patientenakte dokumentiert. Die Tumorboards werden auch für die Einholung einer Zweitmeinung genutzt. Und sie dienen als Plattform für patientenbezogenen Informationsaustausch und Interaktion von Klinikern mit niedergelassenen Ärzten bzw. Kollegen aus anderen Krankenhäusern der Region.

Persönliche Lotsen begleiten Patienten

Krebskranke Patienten werden im Krankheitsverlauf mit einem enormen medizinischen Apparat konfrontiert, dem sie sich nicht selten hilflos ausgeliefert fühlen. Um Unsicherheit und Ängsten zu begegnen, bekommen Patienten im CIO Köln von Anfang an und über den gesamten Behandlungszeitraum hinweg Mitarbeiter der Klinik als Lotsen zur Seite gestellt. Zu deren Aufgaben als persönliche Patientenbetreuer gehört es, ihre Schützlinge bei anstehenden diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen durch das Labyrinth der verschiedenen Klinikabteilungen zu begleiten. Sie sind auch bei auftretenden Problemen jeglicher Art wichtige Ansprechpartner für Patienten und Angehörige und jederzeit telefonisch erreichbar. Die psychosoziale/psychotherapeutische Rundum-Betreuung von Krebspatienten spielt eine dominierende Rolle im Rahmen des ganzheitlichen Versorgungskonzepts und ist eng mit der medizinischen Versorgung verzahnt. Um diesen differenzierten Aufgabenbereich kümmert sich ein erfahrenes, psychoonkologisches Expertenteam aus Psycho-, Ergo-, Musiktherapeuten und Sozialarbeitern im „Haus LebensWert“. Mit seinem umfangreichen Betreuungsangebot wie Psychotherapie, Sozialberatung, Angehörigengruppen, Simonton-Training und Tai Chi hilft es krebskranken Menschen in vielerlei Hinsicht: Sich mit der krankheitsbedingten, belastenden Lebenssituation, mit Ängsten und Sorgen auseinanderzusetzen, aber auch von diesen abzulenken, wieder Mut zu fassen und Lebensperspektiven für die Zukunft zu entwickeln.

Multiprofessionelles palliativmedizinisches Team

Auf die palliativmedizinische Behandlung körperlicher und seelischer Symptome sowie individuelle und ganzheitliche Pflege sind Ärzte, Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Seelsorger und Physiotherapeuten im „Dr. Mildred Scheel Haus“ eingespielt. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, unheilbaren Schwerstkranken die höchstmögliche Lebensqualität zu erhalten. Zum Leistungsspektrum des multiprofessionellen Teams gehören beispielsweise der palliativmedizinische Konsiliardienst auf allen Stationen des Uniklinikums, Sterbebegleitung und Betreuung von Angehörigen in der Trauerzeit sowie Vernetzung von Hausärzten, Pflegediensten und Hospizen. Seit 2004 existiert in dieser Einrichtung eine eigenständige Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin, die unter anderem vielfältige, themenzentrierte Fortbildungsveranstaltungen anbietet und eine eigene Palliativstation beherbergt.

Stetige Versorgungsoptimierung

Zu diesem Zweck existieren sogenannte „Interdisziplinäre Onkologische Projektgruppen (I-OP) – 24 sind es mittlerweile insgesamt. Dies sind fachübergreifende, von einem Koordinator geleitete Expertengremien zu einzelnen Tumorentitäten oder Arbeitsgebieten. Eine der zentralen Aufgaben betrifft die Optimierung der klinischen Versorgung von Krebspatienten. In diesem Kontext beschäftigen sich einzelne Expertengruppen damit, die interdisziplinär erarbeiteten und zentrumspezifischen Leitlinien für Diagnose und Therapie maligner Tumorerkrankungen jährlich zu aktualisieren, Instrumente zum Qualitätsmanagement zu etablieren oder die Tumordokumentation zu steuern, um das klinische Krebsregister auf dem Laufenden zu halten. Andere Spezialisten sind damit befasst, innovative, patientenorientierte klinische Studienkonzepte zu entwickeln und zu organisieren. Wie schon in den Tumorboards besteht auch in den IOP großes Interesse am Kontakt mit externen Kooperationspartnern wie niedergelassenen Ärzten, Vertretern wissenschaftlicher Bereiche oder Selbsthilfegruppen.

Zahlreiche klinische Forschungsaktivitäten

Zu den Qualitätsanforderungen, die an ein onkologisches Spitzenzentrum gestellt werden, gehört auch die Entwicklung und Durchführung von Forschungsvorhaben. Wissenschaftler im CIO Köln verfolgen – in Zusammenarbeit mit Arbeitsgruppen im In- und Ausland – eine Reihe verschiedener Ansätze. Dazu gehört etwa die maßgeschneiderte Anwendung neuer, zielgerichteter Medikamente, sogenannter „targeted drugs“, von denen man sich eine nachhaltige Verbesserung der Krebstherapie verspricht. Um Wirksamkeit und Verträglichkeit solcher Substanzen zu testen, bedarf es hochqualifizierter klinischer Untersuchungen. Das CIO bietet krebskranken Patienten die Möglichkeit, an Studien der Phasen I bis III teilzunehmen und sich somit unter kontrollierten Bedingungen mit den neuesten Medikamenten behandeln zu lassen.

Andere Expertenteams sind potenziellen biologischen Markern auf der Spur, die Vorhersagen über das Therapie-Ansprechen liefern sollen, oder prüfen den Einsatz moderner nuklearmedizinischer und bildgebender Verfahren, um ein Ansprechen möglichst früh nachweisen zu können. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Entwicklung translationaler Forschungskonzepte mit dem Ziel, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung direkt für den Patienten nutzbar zu machen.

Dr. med. Ingrid Kohls-Zinnhobler


Für den Notfall

In einem Notfall benötigen Sie rasche Hilfe. Dazu gibt es die folgenden Möglichkeiten:

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CIO Köln Bonn

Standort Köln:
Universitätsklinikum Köln
Telefon: 0221 / 478-0

Standort Bonn:
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228 / 287-15332

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