Von Eveline Kracht, 26.02.09, 21:10h
Krebs. Nie im Leben habe sie für möglich gehalten, dass sie selbst einmal betroffen sein könnte, sagt Brigitte T. Erst vor acht Monaten hatte die 54-Jährige eine Einladung zur Vorsorgeuntersuchung der Brust erhalten - und gleich beiseite gelegt. „Weil ich so wenig Zeit hatte.“ Heute macht sich die inzwischen operierte Brustkrebs-Patientin Vorwürfe, dass sie nicht zum Mammografie-Screening gegangen ist. Denn: Je früher ein bösartiger Tumor erkannt wird, umso größer sind in der Regel die Heilungsaussichten.
Um Fragen der Früherkennung soll es auch beim Kölner Krebs-Forum gehen, zu dem die Kölnische Rundschau und die Deutsche Krebshilfe am 20. April um 19.30 Uhr in den Gürzenich einladen. Spezialisten aus dem „Centrum für Integrierte Onkologie“ (CIO) der Kölner Uniklinik werden bei dem von der Kreissparkasse Köln unterstützten Leserforum aber vor allem über aktuelle Therapiemöglichkeiten bei Krebserkrankungen und jüngste Fortschritte in der medikamentösen Behandlung sprechen. In seiner Funktion als Direktor wird Professor Dr. Michael Hallek darüber hinaus das CIO Köln-Bonn als eines der vier deutschen Spitzenzentren der Krebsmedizin vorstellen.
Im CIO der Unikliniken Köln und Bonn, das die Deutsche Krebshilfe bis 2010 mit drei Millionen Euro fördert, arbeiten Experten aller Fachgebiete in Diagnostik und Therapie eng zusammen, um die Patienten nach dem neuesten Stand der Forschung und mit „maßgeschneiderten Therapien“ möglichst optimal zu versorgen. Ziel ist es, ihre Lebensqualität und Aussicht auf Genesung deutlich zu verbessern.
Patientenbegleiter als zentrale Ansprechpartner lotsen die Krebskranken durch die komplexe Therapie, die in ihrem ganzheitlichen Ansatz auch eine palliativmedizinische, psychoonkologische und psychosoziale Betreuung einschließt. Wichtige Kooperationspartner des interdisziplinären Konzeptes sind die niedergelassenen Ärzte.
Die Förderung der universitären Onkologie-Spitzenzentren nach dem Vorbild der amerikanischen Cancer Centers soll dazu beitragen, die Qualität der bislang sehr unterschiedlichen Behandlung von Krebspatienten in Deutschland zu sichern, wie die Sprecherin der Deutschen Krebshilfe, Dr. Eva Kalbheim, erläutert. In Kürze würden fünf weitere Zentren ausgewählt. „Jeder Tumorpatient soll in maximal einer Stunde Fahrzeit eine solche Einrichtung erreichen können.“ Ob es damit gelingt, die Überlebensraten auf Dauer tatsächlich zu erhöhen, muss sich aber noch zeigen.
Allein 2007 starben in Deutschland 211 523 Menschen an den Folgen von Krebs. Während die Frauen am häufigsten an Brustkrebs erkranken, steht bei den Männern das Prostata-Karzinom an vorderster Stelle. Lungen- und Darmkrebs gehören ebenfalls zu den „Spitzenreitern“ in der Tumor-Statistik. Wegen der Altersentwicklung gehen die Mediziner davon aus, dass die Zahl der Neudiagnosen - 436 000 allein im letzten Jahr - weiter steigen werden.
Rein statistisch kann zwar etwa die Hälfte aller Betroffenen dauerhaft geheilt werden; wie Kalbheim betont. Bei Kindern seien es sogar drei Viertel. Andererseits sind die Prognosen vieler Krebsarten wie Lungenkrebs, Darmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Eierstockkrebs und Hirntumoren nach wie vor schlecht.
Wegen der geringen Inanspruchnahme der Früherkennungs-Untersuchungen werde die tückische Erkrankung oft erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert, wenn kaum noch Aussicht auf Heilung bestehe, sagt Kalbheim. Vor allem in höherem Alter sinke die Teilnahme an Mammografie, Darmspiegelung und Co. erheblich. „Die Tatsache, dass Krebs gerade eine Erkrankung des Alters ist, wird leider noch vielfach verkannt“, so die Ärztin.
Zur Grundlagenforschung, klinischen Krebsforschung und Versorgungsforschung stellte die Deutsche Krebshilfe allein im Geschäftsjahr 2007 rund 50 Millionen Euro bereit. Damit ist die Organisation wichtigster privater Geldgeber auf dem Gebiet der Krebsbekämpfung in Deutschland.
In einem Notfall benötigen Sie rasche Hilfe. Dazu gibt es die folgenden Möglichkeiten:
Standort Köln:
Universitätsklinikum Köln
Telefon: 0221 / 478-0
Standort Bonn:
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228 / 287-15332
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