last updated at 01.09.2016

Harnblasenkrebs: Diagnose und Therapie

Invasiv oder nicht-invasiv?

Ein Tumor der Harnblase ist muskelinvasiv, wenn er bereits in die Muskelschicht der Blase eingewachsen ist. Dies hat Einfluss auf die Behandlung der Erkrankung.

Jährlich erkranken rund 30.000 Menschen in Deutschland an Harnblasenkrebs. Davon weisen ca. 16.000 ein invasives Harnblasenkarzinom auf. Die anderen rund 14.000 Patienten erkranken an nicht-invasiven papillären Karzinomen und "in situ"-Tumoren.

Risikofaktoren für die Entstehung von Harnblasenkrebs sind vor allem:

  • Rauchen
  • Arbeitskontakt mit bestimmten chemischen Stoffen (aromatische Amine)
  • vorangegangene Behandlung mit Zytostatika bzw. Strahlentherapie
  • chronisch entzündliche Schädigungen der Blasenschleimhaut

Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Frauen bei 74 Jahren und für Männer bei 72 Jahren. Die meisten Patienten mit Verdacht auf Harnblasenkrebs kommen ins CIO, weil sie mit folgenden Symptomen ihren Hausarzt aufgesucht haben:

  • Probleme beim Wasserlassen
  • Rötliche Färbung des Urins
  • Häufiger Harndrang

Für Harnblasenkrebs gilt: Je früher die Erkrankung entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Zertifizierte Behandlungsqualität

Die hohe Qualität der Versorgung und Behandlung unserer Patienten mit Harnblasenkrebs wird von der Deutschen Krebsgesellschaft jährlich im Rahmen der Überwachung der Onkologischen Zentren überprüft und bestätigt.

Erstkontakt

Im ersten Gespräch mit den behandelnden Ärzten wird zunächst überprüft, ob alle wichtigen Informationen und Befunde vorliegen und – falls nicht – werden zunächst entsprechende Untersuchungen veranlasst. In einem ersten Schritt der Diagnose geht es den Ärzten im CIO darum, sicher festzustellen, ob es sich tatsächlich um Krebs handelt. Bildgebende Verfahren sind dabei die Ultraschalluntersuchung und die Zytoskopie.

Sobald alle Befunde vorliegen, entscheiden Experten der Fachgebiete Urologie, Onkologie, Pathologie, Strahlentherapie und Radiologie in den regelmäßig stattfindenden Tumorboards gemeinsam, um welchen Krebs es sich genau handelt und wie weit dieser fortgeschritten ist. Auf dieser Basis erarbeiten sie dann eine individuelle Therapieempfehlung für den jeweiligen Patienten.

Standard Operating Procedures: Eigene Leitlinien sichern die Qualität der Behandlung

In den Therapieentscheidungen orientieren sich die CIO-Experten an den so genannten S3-Leitlinien der jeweiligen Fachgesellschaften. Darüber hinaus gibt es im CIO zu fast allen Krebserkrankungen in den Köln/Bonner interdisziplinären onkologischen Projektgruppen (IOPs) eigene Behandlungsleitlinien (SOPs). Die IOP Harnblasenkrebs passt ihre SOP regelmäßig an die neuesten Forschungsergebnisse sowie die Gegebenheiten an beiden Standorten an.

Behandlung: Photodynamische Diagnostik bei Harnblasenkrebs

Um den Tumor besser lokalisieren zu können, arbeiten die behandelnden Urologen bei Verdacht auf Harnblasenkrebs mit der so genannten photodynamischen Diagnostik (PDD). Dabei wird ein lichtempfindlicher Farbstoff in die Harnblase gefüllt und dort von Tumorzellen aufgenommen. Mit einem Speziallicht kann der Tumor dabei sichtbar gemacht werden und der Blasenkrebs von den Chirurgen besser entfernt werden. Wie gut und ob ein Tumor in der Blase entfernt werden kann, hängt vor allem davon ab, ob er bereits in die Muskelschicht der Blasenwand eingewachsen ist.

Man unterscheidet deshalb bei der Behandlung von Harnblasentumoren folgende Tumorstadien:

  • nicht-muskelinvasives Tumorstadium
  • muskelinvasives Tumorstadium

Hat der Tumor diese Muskelschicht noch nicht befallen, spricht man von einem nicht-muskelinvasivem Tumorstadium. In diesem Stadium können die Chirurgen den Tumor mit einer transurethralen Resektion (TUR), bei der eine Elektroschlinge durch die Harnröhre eingeführt wird, entfernen.

Diese Behandlung reicht bei muskelinvasiven Tumoren in der Regel nicht aus: Wenn die Erkrankung so weit fortgeschritten ist, dass der Krebs bereits in die Muskelschicht der Blase eingewachsen ist, kann es sein, dass die Harnblase komplett entfernt werden muss. Oft sind davon auch naheliegende Organe, Drüsen oder Gewebe (beim Mann z. B. die Prostata und beide Samenblasen, bei der Frau der Uterus und die vordere Vaginalwand) betroffen. In einem fortgeschrittenen Tumorstadium wird es notwendig, den chirurgischen Eingriff durch eine strahlen- oder chemotherapeutische Behandlung zu ergänzen oder gar ganz darauf auszuweichen. Manchmal werden muskelinvasive Tumoren ohne Operation mit Hilfe einer multimodalen Therapie behandelt. Bei der multimodalen Therapie kommen die TUR sowie eine Strahlen- und Chemotherapie zum Einsatz.

Für Diagnostik und Therapie von Harnblasenkrebs stehen moderne und leistungsfähige Untersuchungsgeräte zur Verfügung. Im Rahmen unserer Forschung führen wir außerdem Klinische Studien in unserem Studienzentrum durch.

                   Harnblasenkarzinom

Anzahl der aktuell aktiven Studien im CIO:
4

Unsere Ziele bei der Behandlung von Patienten mit Harnblasenkrebs:

  • Eine optimale, interdisziplinär mit unseren Partnern im CIO und unseren Zuweisern abgestimmte Behandlung unserer Patienten auf der Basis der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse
  • Eine umfassende menschliche Betreuung unserer schwerkranken Patienten in enger Abstimmung mit dem Zentrum für Palliativmedizin
  • Die Verbesserung der Prognose von Patienten mit Harnblasenkrebs durch die Entwicklung personalisierter Therapieansätze und die Evaluation dieser in klinischen Studien

Supportive Maßnahmen

Allen schwer erkrankten Patientinnen und ihren Angehörigen ermöglichen wir grundsätzlich die Mitbetreuung durch die Palliativmedizin. Diese kann parallel zur therapeutischen Behandlung stattfinden. Unsere Erfahrungen mit diesem Modell der frühen palliativen Intervention sind durchweg positiv.

Unser ganzheitlicher Behandlungsansatz spiegelt sich auch in dem umfangreichen Behandlungsangebot aus dem Bereich der Psychoonkologie wider.

Darüber hinaus stellen wir folgende Angebote bereit:

 CIO ambulance – Cologne +49 221 / 478-87660 · Bonn +49 228 / 287-17059