Letzte Aktualisierung: 26.10.2017

Neuroendokrine Neoplasien: Diagnose und Therapie

Neuroendokrine Neoplasien (NEN) - hierbei handelt es sich um einen Sammelbegriff von verschiedenen Tumoren die in unterschiedlichen Organen vorkommen können. Ihre Gemeinsamkeit ist ihr Ursprung aus der sogenannten "neuroendokrinen Zelle". Diese Zellen tragen zum einen Merkmale von Nervenzellen (neuro-), als auch Merkmale von Drüsenzellen (-endokrin). Jedoch unterscheiden sich die einzelnen NEN in ihrer Aggressivität. Daher unterteilt man die NEN in Untergruppen: die weniger schnell wachsenden neuroendokrinen Tumoren (NET) und die aggressiveren neuroendokrinen Karzinome (NEC). Aufgrund des unterschiedlichen Wachstumsverhalten resultieren sehr individuelle Krankheitsverläufe. Grundsätzlich können sich NEN überall im Körper befinden.

Neuroendokrines System - Was ist das?

Neurologisches System = Nervensystem
Endokrines System = Hormonsystem

Neuro-endokrines System = Kopplung von Nerven- und Hormonsystem
Z. B. Zellen, die Hormone zur Steuerung der Verdauung produzieren und Ähnlichkeit mit Nervenzellen besitzen.

Aktuelle Patientenbefragung zum Thema:

„Fatigue bei Neuroendokrinen Neoplasien – ein wenig beachtetes Begleitsyndrom?“

Die Befragung läuft noch bis zum 31. Juli 2017 und erfolgt anonym.

Hier finden Sie den Link zur Befragung

Besonders häufig bilden sich Neuroendokrine Neoplasien jedoch

  • im Verdauungstrakt
  • oder in den Luftwegen der Lunge.

So unterschiedlich die Ausprägungen sind, so selten sind Neuroendokrine Tumoren: Von 100.000 Menschen erkranken jährlich nur ca. fünf bis zehn. Heut kann fast jeder zweite Patient geheilt werden.

Erstkontakt im CIO

Im ersten Gespräch mit den CIO-Lotsinnen und den behandelnden Ärzten wird zunächst überprüft, ob alle wichtigen Informationen und Befunde vorliegen und – falls nicht – werden zunächst entsprechende Untersuchungen veranlasst.

Sobald alle Befunde vorliegen, entscheiden Experten der Fachdisziplinen internistische Onkologie/Hämatologie, onkologische Chirurgie, Gastroenterologie, Pathologie, Strahlentherapie, Radiologie und Nuklearmedizin in den regelmäßig stattfindenden Tumorboards gemeinsam, um welchen Krebs es sich genau handelt und wie weit dieser fortgeschritten ist.

Zertifizierte Behandlungsqualität

Die hohe Qualität der Versorgung und Behandlung unserer Patienten mit Neuroendokrinen Neoplasien wird von der Deutschen Krebsgesellschaft jährlich im Rahmen der Überwachung der Onkologischen Zentren überprüft.

Zur stetigen Verbesserung der Behandlung unserer Patienten mit Neuroendokrinen Neoplasien führen wir klinische Studien durch. In diesen klinischen Studien werden zum Beispiel neue Medikamente oder innovative Behandlungsmethoden getestet.

Welche klinischen Studien es momentan für NEN-Patienten gibt und unter welchen Voraussetzungen die Patienten teilnehmen können, erfahren Sie unter Klinische Studien.

Neuroendokrine Neoplasien

Anzahl der aktuell aktiven Studien im CIO:
3

Verschiedene Arten neuroendokriner Neoplasien

Bei den neuroendokrinen Neoplasien unterscheidet man zwischen hoch differenzierten neuroendokrinen Tumoren (NET) und gering differenzierten neuroendokrinen Karzinomen (NEC). Je besser Krebszellen differenziert sind, so günstiger ist in der Regel die Ausgangslage für eine Behandlung. Neuroendokrine Karzinome sind in der Regel sehr poliferationsaktiv, neuroendokrine Tumoren wachsen oft sehr langsam.

Neuroendokrine Neoplasien werden meistens erst spät entdeckt, weil sie zu Beginn keine Beschwerden verursachen.

Neuroendokrine Tumoren bilden sich sehr häufig im Magen (Gastro-), im Darm (-entero-) oder in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Medizinisch ausgedrückt heißen sie daher Gastroenteropankreatische Neuroendokrine Neoplasien (GEP-NEN). Sie entstehen meist in Bereichen des Dünndarms (Jejunum / Ileum) oder aber im Dickdarm, im Magen sowie im Wurmfortsatz des Blinddarms (Appendix).

Symptomatisch für einen GEP NET ist das Karzinoid-Syndrom, vor allem bei Karzinoiden im Dünndarm oder im Wurmfortsatz:

  • Flush (anfallsartige Hautrötung am Körper, vor allem im Gesicht)
  • Bauchschmerzen und Durchfall
  • Herzattacken
  • Asthmaanfälle (selten)

25 % der neuroendokrinen Tumoren enstehen in der Lunge. Doch auch hier sind die Ausprägungen der NETs sehr unterschiedlich:

  • kleinzelliges Lungenkarzinom (SCLC)
  • großzelliges neuroendokrines Karzinom (LCNEC)
  • typisches Karzinoid
  • atypisches Karzinoid

Ein NEN der Lunge verursacht meistens keine charakteristischen Symptome. Einen Arzt aufsuchen sollte man jedoch bei folgenden Anzeichen:

  • ständiger Husten oder wiederkehrende Lungenentzündungen
  • Fieber
  • Schmerzen im Brustkorb
  • Asthmaanfälle (selten)

Bei einer multiplen endokrinen Neoplasie treten mehrere Tumoren aus den hormonbildenden (endokrinen) Zellen entweder gleichzeitig oder zeitversetzt auf. Die MEN ist genetisch bedingt und sehr selten.

Die Tumoren der MEN1 (Wermer Syndrom) bilden sich in der Nebenschilddrüse, der Bauchspeicheldrüse und der Hirnanhangdrüse. Die MEN2a (Sipple Syndrom) bildet Tumoren im Nebennierenmark und der Nebenschilddrüse. Außerderdem kann ein medulläres Schilddrüsenkarzinom entstehen. Bei der MEN2b (Gorlin Sydrom) bilden sich zusätzlich zu den Tumoren der MEN2a auch Nervenzellanhäufungen und Veränderungen des Knochenbaus.

Um das Stadium der Erkrankung bei den verschiedenen Arten der Neuroendokrinen Neoplasien eindeutig zu bestimmen, werden Gewebeproben entnommen und anschließend von einem erfahrenen Pathologen untersucht. Außerdem kommen verschiedene bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Darmspiegelung, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) sowie nuklearmedizinische Verfahren wie Szintigrafie, SPECT und PETCT zum Einsatz. Auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse erarbeiten die Ärzte im CIO eine individuelle Therapieempfehlung für den jeweiligen Patienten. Sofern es möglich ist, werden die Tumoren (und wenn die nötig auch die umliegenden Lymphknoten) operativ entfernt. Eine weitere Behandlungsoption neben der medikamentösen Therapie oder der Chemotherapie kann bei metastasierenden Tumoren die Peptid-Radiorezeptor-Therapie sein, die von den Nuklearmedizinern im CIO angeboten wird.

Standard Operating Procedures: Eigene Leitlinien sichern die Qualität der Behandlung

In den Therapieentscheidungen orientieren sich die CIO-Experten an den so genannten S3-Leitlinien der jeweiligen Fachgesellschaften. Darüber hinaus gibt es im CIO zu fast allen Krebserkrankungen in den Köln/Bonner interdisziplinären onkologischen Projektgruppen (IOPs) eigene Behandlungsleitlinien (SOPs). Die IOP Neuroendokrine Neoplasien hat zu den jejuno-ilealen und den NEN des Appendix eigene SOPs formuliert und passt diese regelmäßig an die neuesten Forschungsergebnisse sowie die Gegebenheiten an beiden Standorten an.

Unsere Ziele bei der Behandlung von Patienten mit Neuroendokrinen Neoplasien:

  • Eine optimale, interdisziplinär mit unseren Partnern im CIO und unseren Zuweisern abgestimmte Behandlung unserer Patienten auf der Basis der neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse
  • Eine umfassende menschliche Betreuung unserer schwerkranken Patienten in enger Abstimmung mit dem Zentrum für Palliativmedizin
  • Die Verbesserung der Prognose von Patienten mit Neuroendokrinen Neoplasien durch die Entwicklung personalisierter Therapieansätze und die Evaluation dieser in klinischen Studien

Supportive Maßnahmen

Begleitend zur therapeutischen Behandlung der Erkrankung ermöglichen wir allen schwer erkrankten Patienten immer auch die Mitbetreuung durch die Palliativmedizin. Unsere Erfahrungen mit diesem Modell der frühen palliativen Intervention sind durchweg positiv. Unser ganzheitlicher Behandlungsansatz spiegelt sich auch in dem umfangreichen Behandlungsangebot aus dem Bereich der Psychoonkologie wider.

Darüber hinaus stellen wir folgende Angebote bereit:

 CIO Ambulanz – Köln 0221 / 478-87660 · Bonn 0228 / 287-17059