Letzte Aktualisierung: 14.01.2019

Versorgungsforschung im CIO Bonn

Die Versorgungsforschung untersucht den Nutzen von Behandlungen in der Versorgungsrealität.

Hierzu gehören in der Versorgung von Krebspatienten

  • chirurgische, medikamentöse, strahlentherapeutische oder komplementäre onkologische Therapien ebenso wie
  • pflegerische Leistungen,
  • psychoonkologische Angebote,
  • Beratungsleistungen durch den Sozialdienst oder
  • Unterstützung durch Krebsberatungsstellen.

Dabei steht insbesondere der Nutzen für die Patienten im Vordergrund. Die Versorgungsforschung untersucht, in welchem Maße bestimmte Verfahren

  • die gesundheitsbezogene Lebensqualität steigern,
  • die berufliche Wiedereingliederung fördern,
  • den Umgang mit der Erkrankung erleichtern oder
  • die Gesundheitskompetenz steigern.

Die Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie führt schwerpunktmäßig Studien zur Kommunikation im Kontext der Krebsbehandlung und zur psychosozialen Versorgungssituation der Betroffenen durch. Hierzu zählt die Kommunikation mit Patienten und ihren Angehörigen ebenso wie die inter- und multiprofessionelle Kommunikation im Versorgungsteam. Die Forschungsergebnisse fließen in verbesserte Ansätze zur patientenzentrierten, individualisierten Behandlung sowie zur bedürfnisorientierten Betreuung von Krebspatienten und ihren Angehörigen ein.

Sie finden uns hier:

Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung
Universitätsklinikums Bonn
Sigmund-Freud-Str. 25
Gebäude 02
53127 Bonn

Weitere Informationen auf der Webseite des Universitätsklinikums Bonn

Familien-SCOUT: Sektoren- und phasenübergreifende Unterstützung von Familien mit einem krebserkrankten Elternteil
Förderung: Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), Innovationsfonds

Die Interventionsstudie ist ein Kooperationsprojekt der Universitäten und Comprehensive Cancer Center aus Aachen, Bonn und Düsseldorf sowie der AOK Rheinland/Hamburg und der Techniker Krankenkasse Nordrhein-Westfalen. Weitere Kooperationspartner sind der Caritasverband Aachen Stadt und Aachen Land e.V., die Stadt Aachen, die Reha-Klinik Bad Oexen, das Tumorzentrum Bonn e.V., die Klinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Münster, sowie die Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V. Bei der familienzentrierten Intervention Familien-SCOUT handelt es sich um ein Versorgungsangebot zur Unterstützung von Familien mit minderjährigen Kindern, in denen ein Elternteil an Krebs erkrankt ist. Ziel der Studie ist es zu evaluieren, ob diese Unterstützung die Belastung in den Familien wirksam reduzieren kann. Das Evaluationskonzept sieht ein quasi-experimentelles Kontrollgruppendesign mit einer Interventions- und einer Kontrollgruppe in drei Modellregionen sowie einem Prä- und zwei Postmesszeitpunkten vor. Geplant ist ein Mixed-Methods-Ansatz mit familienbezogener Triangulation von qualitativen und quantitativen Primärdaten sowie Routinedaten der beteiligten Krankenkassen.

B-CARE: Wiederaufnahme der Arbeit nach Krebs – eine Untersuchung am Beispiel von Brustkrebspatientinnen
Förderung: Deutsche Rentenversicherung (DRV Bund)

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, sozialstrukturelle und psychosoziale Determinanten des beruflichen Wiedereingliederungserfolgs nach einer Brustkrebserkrankung zu untersuchen. Die beiden Hauptfragestellungen des Vorhabens lauten: Gibt es soziale Ungleichheiten in der Inanspruchnahme von Rehabilitationsleistungen und in der Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit bei Brustkrebspatientinnen? Aus ersten Studienergebnissen für Deutschland können die Hypothesen abgeleitet werden, dass sich insbesondere individuelle (z.B. soziodemographische, psychosoziale, krankheitsbezogene) und institutionelle (z.B. Arbeitgeber, Rehabilitationszentrum, Brustzentrum) Ursachen für Unterschiede in der Rehabilitations-Inanspruchnahme und in der Rückkehr in die Erwerbstätigkeit finden lassen werden.

 

PINTU: Patientinnenteilnahme an multidisziplinären Tumorkonferenzen in der Brustkrebsversorgung – eine explorative Studie
Förderung: Deutsche Krebshilfe (DKH)

In multidisziplinären Tumorkonferenzen (MTK) werden die Diagnose und weitere Behandlung von Krebspatientinnen im Behandlungsteam diskutiert und Therapieempfehlungen entwickelt. Die Studienlage zu Risiken und Nutzen der Patientinnenteilnahme liefert jedoch bislang keine gesicherten Erkenntnisse. Ziel dieses Forschungsvorhabens ist daher die Untersuchung, wie MTK in der Brustkrebsversorgung mit und ohne Patientinnenteilnahme gestaltet sind und wie die Akteure die Patientinnenteilnahme bewerten. Die Forschungsfragen sind:

• Wie unterscheiden sich MTK mit und ohne Patientinnenteilnahme hinsichtlich Organisation, Interaktion und Patientinnenorientierung?

• Wie erleben Patientinnen die Teilnahme und welche unmittelbaren kognitiven und emotionalen Auswirkungen hat die Teilnahme für die Patientinnen?

• Wie bewerten die an der MTK teilnehmenden Versorger die Teilnahme von Patientinnen an MTK hinsichtlich Machbarkeit und Qualität der Entscheidungsfindung?

N-MALE: Medizinische und psychosoziale Bedürfnisse von männlichen Brustkrebspatienten in Bezug auf Prävention, Diagnose, Behandlung, Rehabilitation und Nachsorge
Förderung: Deutsche Krebshilfe (DKH)

Das primäre Forschungsziel ist es, die Patientenbedürfnisse bei der Versorgung des männlichen Brustkrebses in Deutschland darzustellen. Als sekundäres Ziel soll das Projekt darüber hinaus die Sicht der an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen auf die aktuelle Behandlung von Männern mit Brustkrebs erfassen. Durch die Betrachtung beider Perspektiven können wir die deutsche Versorgungssituation möglichst umfassend analysieren und aus den Ergebnissen die Erfordernisse für eine patientenzentrierte Versorgung der Betroffenen ableiten. Vorgesehen sind Interviews mit Betroffenen und Fokusgruppendiskussionen mit den beteiligten Gesundheitsprofessionen über einen Zeitraum von zwei Jahren. Die Studienergebnisse werden den teilnehmenden Brustkrebszentren und der organisierten Selbsthilfe in Form von Fact Sheets zur Verfügung gestellt. Geplant sind außerdem ein Transfer-Workshop für Brustkrebszentren sowie ein Ergebnis-Workshop für Patienten.

NWOB: Organisationales Verhalten in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung in Deutschland - Theoretische Ansätze, Methoden und Ergebnisse
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Im Rahmen eines von der DFG geförderten Netzwerks werden Theorien und empirische Daten zur Arbeitsorganisation und zum Organisationsklima aus unterschiedlichen Sektoren und Institutionen des Gesundheitswesens zusammengetragen. Das Ziel des Beitrags der Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung ist es, die Ursachen von Störungen und Unterbrechungen im Erstgespräch in Praxen niedergelassener Onkologen zu untersuchen. Es soll der Frage nachgegangen werden, welche Arten von Störungen vorkommen und welche Ursachen für die Störungen in den Strukturen und Arbeitsprozessen der Praxen liegen. Hierzu werden im Rahmen eines eigenen vorhergehenden DFG-Projektes (WIN ON – working conditions in oncology) bundesweit erhobene Interview-, Beobachtungs- und Befragungsdaten ausgewertet und interpretiert. Aus den Ergebnissen sollen Empfehlungen abgeleitet werden, die dazu beitragen können, die Gespräche in den Praxen störungsfreier und patientenzentrierter zu gestalten.

PADOCS: Entwicklung und Evaluation eines Kommunikationstrainings für onkologisch tätige Ärzte unter Einbindung der Patientenperspektive
Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Eigenmittel

Das PADOCS-Projekt ist in der Entwicklung eines Kommunikationstrainings für onkologisch tätige Ärzte eingebettet, das durch einen regionalen Fortbildungsverbund (KommRhein) der Universitätskliniken Aachen, Bonn, Köln, Düsseldorf, Essen und Münster erarbeitet wird. Da in bisherigen Entwicklungen von Kommunikationstrainings die systematische Einbindung von Patienten fehlt, interessiert uns die Meinung von Patienten zu den entwickelten Modulen. In persönlichen Interviews sollen die Module nicht nur nach ihrem Inhalt, sondern auch nach deren praktischer Umsetzung bewertet werden. Die Ergebnisse sollen in die Optimierung des Kommunikationstrainings einfließen, um die Arzt-Patient-Kommunikation in der onkologischen Versorgung unter Einbindung der Patientenperspektive weiter zu entwickeln.

Organisationale Gesundheitskompetenz in der onkologischen Versorgung

Ziel dieses Projekts ist es Instrumente zu entwickeln, die im Sinne einer Organisationsdiagnostik die Bereitschaft und die Kompetenz von onkologischen Versorgungseinrichtungen messen, ihre Patienten im Umgang mit ihrer Erkrankung zu unterstützen und zu befähigen. Dabei werden aus Sicht von Stellvertretern aus Brustkrebszentren sowie aus der Sicht von Brustkrebspatientinnen standardisierte Fragebogen entwickelt und validiert. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der verständnisorientierten Gesundheitskommunikation (health literacy-sensitive communication). Hierzu werden u.a. Befragungsdaten aus einer eigenen im Rahmen des Nationalen Krebsplans geförderten prospektiven Studie (PIAT - Strengthening patient competence: Breast cancer patients' information and training needs) genutzt. Die Instrumente sollen zukünftig sowohl zu internen als auch zur externen Qualitätssicherung der kompetenz- und patientenzentrierten Strukturen und Prozesse genutzt werden können.


Kontakt

Prof. Dr. Nicole Ernstmann